Beschreibung:
Hübsche Bilder alleine reichen nicht, um von fremden Kulturen zu erzählen. Wichtiger ist es, sein Subjekt mit Achtung zu behandeln. Selbstverständlich ist das leider keineswegs. Für seine Selbstbezogenheit und Respektlosigkeit gegenüber der japanischen Kultur erntete Rob Marshall zu Recht harsche Kritik. Japaner, Chinesen, ganz egal - dem westlichen Publikum fällt der Unterschied sowieso nicht auf: So dachte Marshall und besetzte die Hauptrolle seiner Literaturverfilmung Die Geisha mit Zhang Ziyi, einer Chinesin. Teilgenommen am Ethno-Roulette hat auch Michelle Yeoh, ebenfalls eine der prominentesten Darstellerinnen Chinas, der scheinbar ganz gleich ist, wen sie repräsentiert. Gestern noch Japanerin, ist sie in Asif Kapadias „Far North“ nun als Inuit unterwegs. Wäre das ruhige Psychodrama so gut geschrieben, wie es fotografiert ist, wäre dieser Lapsus mit anderthalb zugedrückten Augen verschmerzbar gewesen. Doch Kapadia hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, „Far North“ zu inszenieren. Auf der Basis einer Kurzgeschichte von Sara Maitland filmt er die tragische Eskalation einer Dreierkonstellation einfach ab, statt sie auch nur ansatzweise zu ergründen. Selbst Charakterkopf Sean Bean kann gegen so viel Gleichgültigkeit nicht anspielen. So verkommt die eigentlich todtraurige Erzählung zur bloßen Panorama-Tour durch die endlosen Weiten der arktischen Tundra.
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